Endzeit Europa

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn nach dem Attentat von Sarajewo Serbien den Krieg. Die in der Folge eintretenden bündnisdynamischen Verstrickungen führten Europa in den langen und äußerst verlustreichen Ersten Weltkrieg. Dieser Krieg von 1914 bis 1918 ist das Initialereignis des 20. Jahrhunderts, welches der Historiker Eric Hobsbawm als „Zeitalter der Extreme“ bezeichnete. Die entsetzlichen Verwerfungen der vier Jahrzehnte von 1914 bis 1945, die Teilung Europas in der Zeit des Kalten Krieges, aber auch der europäische Integrationsprozess nehmen hier ihren Anfang.

Durch die politischen Entwicklungen der Gegenwart wird die Sinnhaftigkeit der europäischen Integrationsbemühungen von vielen Menschen zunehmend in Frage gestellt. Vielleicht kann ein Blick zurück auf die Anfänge der heutigen politischen Ordnung Europas den Gedanken wieder stärker in das Bewusstsein bringen, dass die europäische Integration vor allem auch als Friedensprojekt verstanden werden muss.

In „Endzeit Europa“ versuchen wir anhand von Originaltexten, wie Briefen, Tagebücher, Essays und Romanen, die Vielfältigkeit der Kriegserlebnisse einfacher Männer, Frauen, Kinder nachzuempfinden. Als Stationendrama, das in der Talstation der Schloßbergbahn seinen Anfang nimmt und in der Kanonenbastei auf dem Grazer Schloßberg endet, treten die unterschiedlichen Stimmen dieser vergangenen Zeit in einen Dialog miteinander und mit unserer Gegenwart und werden so zur Projektionsfläche für das nicht fassbare Ereignis „Krieg“.

„Nun hatte ich zehn Jahre des neuen Jahrhunderts gelebt und nie habe ich unsere alte Erde mehr geliebt als in diesen letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, nie mehr auf Europas Einigung gehofft, nie mehr an seine Zukunft geglaubt als in dieser Zeit, da wir meinten, eine neue Morgenröte zu erblicken. Aber es war in Wahrheit schon der Feuerschein des nahenden Weltenbrands.“

Stefan Zweig

 

Premiere: 20. Mai 2017

24., 25., 26., 27., 31. Mai, 1., 2., 3. Juni
jeweils 20 Uhr

Kanonenbastei (Schlossberg)
Treffpunkt Talstation Schlossbergbahn 19:50 Uhr

Reservierung erforderlich: 0680/5500147, per Mail

Inszenierung: Halbedl/Kropsch
Konzept: Britta Wedam
Dramaturgie: Britta Wedam, Werner Halbedl
mit: Katrin Ebner, Werner Halbedl, Alexander Kropsch
Erich Ahn, Marie Delorme, Lukas Deutsch, Nicolas Galani, Philipp Heilmann, Iris Kapeller, Jasmin Karami, Ulla Kurikka, Julia Reichart, Kyra Sendler
Technik: Peter Spall