Der Tod in Venedig

Thomas Mann / Tomer Gardi

In Der Tod in Venedig von Thomas Mann entdeckt der nicht mehr junge Schriftsteller Gustav von Aschenbach am Lido des schwülwarmen Venedigs die Gestalt des apollinisch schönen Knaben Tadzio und steigert sich im Verlauf einiger zauberhafter Sommerwochen in eine unerfüllbare Liebe. Aschenbach zieht sich, ganz der Leidenschaft hingegeben, in seine Innerlichkeit zurück. Die Überwältigung der eingeprägten Selbstkontrollmechanismen bringt Aschenbach an die Grenzen seiner psychischen Integrität und führt in der zugespitzen Dramatik der Novelle, auch zu seinem Tod. Diesem innerlichen Schauspiel, das Thomas Mann sprachlich in stilistische Überhöhen schraubt, steht eine verfallende Außenwelt gegenüber: ein stinkendes von der Cholera geplagtes Venedig und ein Europa, das nur wenige Monate nach Aschenbachs Tod sich selbst den Krieg erklärt.

Gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Tomer Gardi entwickeln wir eine Überarbeitung des Klassikers von 1912. Dem dramatischen Spannungsbogen der Novelle folgend, setzt ein sprachlicher Entregelungsprozess ein. Der Sprache Thomas Manns wird plötzlich das sichere Fundament des klassizistischen Formideals entzogen. Durch die wilde und lustvolle  Sprachentregelung und Sprachenthemmung in Tomer Gardis Intervention, tun sich für Gustav von Aschenbach ungeahnte Handlungsoptionen auf. Es beginnt, sich eine moderne und anspielungsreiche Alternativerzählung zu entwickeln, eine vergnügliche und frivole Antwort auf Thomas Manns Fragen über die Einsamkeit des Individuums und die Strenge der Form.
 

Der Tod in Venedig
von Thomas Mann und Tomer Gardi

Premiere: 6. September 2017

8., 9., 14., 15., 16., 21., 22., 23. September
jeweils 20 Uhr

Theater im Keller
Münzgrabenstraße 35

Karten: 16€ / 12€, Reservierung unter 0680/5500147, per Mail

Regie: Halbedl/Kropsch
Konzept: Werner Halbbedl
mit: Rudi Widerhofer
Werner Halbedl
Alexander Kropsch
 
Assistenz: Katrin Ebner
Produktionsleitung: Britta Wedam
Technik: Sarah Füssl, Peter Spall
Textbearbeitung: Werner Halbedl
Fotografie: Nicolas Galani