Der Tod in Venedig

Thomas Mann / Tomer Gardi

Der nicht mehr junge Schriftsteller Gustav von Aschenbach entdeckt am Lido des schwülwarmen Venedigs die Gestalt des apollinisch schönen Knaben Tadzio und  steigert sich im Verlauf einiger zauberhafter Sommerwochen in eine unerfüllbare Liebe.
Aschenbach zieht sich, ganz der Leidenschaft hingegeben, in seine Innerlichkeit zurück. Die Überwältigung der eingeprägten Selbstkontrollmechanismen bringt Aschenbach an die Grenzen seiner psychischen Integrität und und führt in der zugespitzen Dramatik der Novelle, auch zu seinem Tod.
Oder ist Aschenbach vielleicht doch an der Cholera gestorben? Hat er sich infiziert, als er von den überreifen Erdbeeren naschte? Denn diesem innerlichen Schauspiel, das Thomas Mann sprachlich in stilistische Überhöhen schraubt, steht eine verfallende Außenwelt gegenüber: ein stinkendes von der Cholera geplagtes Venedig und ein Europa, das  nur wenige Monate nach Aschenbachs Tod sich selbst den Krieg erklärt.

In „Der Tod in Venedig“ stehen Inhalt und Form in einer eigentümlichen Beziehung zueinander. Mit der größten schriftstellerischen Finesse und sprachlichen Gestaltungskraft wird der Inhalt von der Form überwältigt. Aschenbach steht, trotz seiner existentiellen Krise mit tödlichem Ausgang, auf dem sicheren Grund seiner sprachlichen Meisterschaft.
Gemeinsam mit dem Schriftsteller Tomer Gardi entwickeln wir eine Überarbeitung des Klassikers von 1912. Dem dramatischen Spannungsbogen der Novelle folgend, setzt ein sprachlicher Entregelungsprozess ein. Der Sprache Thomas Manns wird langsam und anfangs unbemerkt das sichere Fundament des klassizistischen Formideals entzogen durch Gardis Rückübersetzung aus der hebräischen Fassung der Novelle in sein Broken German. „Broken German“ lautet der Titel des 2016 bei Droschel erschienenen Romans Tomer Gardis, über den es heisst:  „Broken German ist ein anspielungsreiches, anspruchsvolles und vergnügliches Plädoyer für die Sprachenvielfalt in der einen Sprache, für die Regelübertretung, für das nicht Normierte.“ Gardi wurde mit „Broken German“ 2016 zum Ingeborg Bachmannpreis eingeladen.
Rudi Widerhofer als Gustav von Aschenbach geht der existentiellen Erschütterung der Figur nach und macht sowohl die biographische Lebenskrise als auch die einsetzende Formkrise im Theater miterlebbar.

 

Premiere: 6. September 2017

8., 9., 14., 15., 16., 21., 22., 23. September
jeweils 20 Uhr

Theater im Keller
Münzgrabenstraße 35

Karten: 16€ / 12€, reservierung unter 0680/5500147, per Mail

Konzept: Werner Halbedl
mit: Rudi Widerhofer
Werner Halbedl
Alexander Kropsch

Assistenz: Britta Wedam, Katrin Ebner
Technik: Sarah Füssl, Peter Spall