DER PROCESS

DER PROCESS

DER PROCESS

Franz Kafka

Franz Kafkas „Der Prozeß“ ist eine umwerfend moderne Ausformung  des alten Mythos von Schuld und Gericht. Für die knappe Form der Theatervorlage ist Kafkas Arbeitsstil ein Segen, da er durch seine heftigen und plötzlichen Kreativitätsattacken alle Motive in jedem Kapitel neu vereinigt und zum Ausdruck bringt.
Entsprechend den zehn Kapiteln des Romans (in der Fassung der Handschrift) geht auch bei uns zehnmal der „Vorhang“ von neuem hoch. Der Bedeutungsvielfalt von Kafkas Werk begegnen wir mit der Formenvielfalt des Theaters. Der Vielfalt der Interpretationsansätze entspricht der Dachboden in der Alberstraße 23 als Aufführungsort, der es uns erlaubt durch seine Schrägen, Kanten und Ecken aus ungewohnten Perspektiven auf das Gegebene zu blicken. Aber natürlich gilt der Grundsatz, dass sich erst im Laufe der Probenarbeit herausstellen wird, wohin die Arbeitsprozesse uns letztlich führen und, dass letztlich alles auch ganz anders sein kann. Wie Adorno zu Kafkas Werk schreibt: „Jeder Satz spricht: deute mich, und keiner will es dulden.“

Inhalt:
Der Bankprokurist Josef K., der Protagonist des Romans, wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Trotz seiner Festnahme darf sich K. noch frei bewegen und weiter seiner Arbeit nachgehen. Vergeblich versucht er herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Dabei stößt er auf ein für ihn nicht greifbares Gericht, dessen Kanzleien sich auf den Dachböden großer ärmlicher Mietskasernen befinden. Josef K. versucht verzweifelt, Zugang zum Gericht zu finden, doch auch dies gelingt ihm nicht. Er beschäftigt sich immer öfter mit seinem Prozess, obwohl er anfangs das Gegenteil beabsichtigte. Er gerät dabei in das albtraumhafte Labyrinth einer surrealen Bürokratie. Immer tiefer dringt er in die Welt des Gerichts ein. Gleichzeitig dringt jedoch auch das Gericht immer mehr in Josef K.s Leben ein. Ob tatsächlich ein irgendwie gearteter Prozess heimlich voranschreitet, bleibt sowohl dem Leser als auch Josef K. verborgen. Gleiches gilt für das Urteil: K. erfährt es nicht, aber er empfindet selbst, dass seine Zeit abgelaufen ist. Josef K. fügt sich einem nicht greifbaren, mysteriösen Urteilsspruch, ohne jemals zu erfahren, weshalb er angeklagt war und ob es tatsächlich dazu das Urteil eines Gerichtes gibt. Am Vorabend seines 31. Geburtstages wird Josef K. von zwei Herren abgeholt und in einem Steinbruch „wie ein Hund“ erstochen.

Franz Kafka:
…wurde als Sohn einer bürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie 1883 in Prag geboren. Kafka gehörte zu einer Minderheit der Prager Bevölkerung, deren Muttersprache Deutsch war. Außerdem beherrschte er wie seine Eltern Tschechisch. Als Kafka geboren wurde, war Prag noch immer Teil des Habsburger Reiches in Böhmen, wo zahlreiche Nationalitäten, Sprachen und politische und soziale Strömungen sich mischten und recht und schlecht nebeneinander bestanden. Für Kafka, einen gebürtigen Tschechen deutscher Sprache, in Wirklichkeit weder Tscheche noch Deutscher, war es nicht leicht, eine kulturelle Identität zu finden. Nach seinem abgeschlossenen Studium der Rechte tritt er in die „Arbeiter-Unfallversicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen“ als Angestellter ein. Kafka bezeichnete diese Tätigkeit stets als seinen „Brotberuf“, der er bis zum Ausbruch einer schweren Tuberkuloseerkrankung nachging. Der Alltag der Familie Kafka ist vor allem von der schwierigen Beziehung des Sohnes zu seinem Vater geprägt, ein Konflikt, der in den Werken Kafkas zu einem wiederkehrenden Motiv wird. In dem Spannungsfeld zwischen väterlichen Vorwürfen und den oft als Last empfundenen beruflichen Verpflichtungen entwirft Kafka seine literarischen Arbeiten und bringt sie in beinahe eruptiven Schreibausbrüchen in den Nachtstunden zu Papier. Seinem eigentümlichen Arbeitsrhythmus, von fieberhaften Phasen überbordender Kreativität und Zeiten von unüberwindbaren Schreibblockaden, ist die Tatsache geschuldet, dass alle großen Romanvorhaben Kafkas Fragment blieben. Kafka beurteilte seine Texte äußerst kritisch und zu
seinen Lebzeiten sind nur wenige Werke an die Öffentlichkeit gelangt. Kurz vor seinem Tod, von den Leiden der unheilbaren Tuberkulose schwer gezeichnet, beauftragte Kafka den Freund und frühen Förderer Max Brod mit der Vernichtung seiner literarischen Arbeiten. Brod kommt dem Wunsch des Autors nicht nach, sondern sorgt nach Kafkas Ableben, für die Veröffentlichung der Texte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt sich ein starkes Interesse an den Werken Franz Kafkas und einige erreichen eine breitenwirksame Popularität. Seine eindrücklichen und verstörenden literarischen Erfindungen haben in dem Wort „kafkaesk“, bis hinein in die Alltagssprache einen allgemein verstandenen Ausdruck gefunden.

 

Vorstellungstermine: 20. November 20 Uhr – Premiere
22. November 18 Uhr und 20 Uhr
24. November 18 Uhr und 20 Uhr
27. November 18 Uhr und 20 Uhr
28. November 18 Uhr und 20 Uhr
29. November 18 Uhr und 20 Uhr

Veranstaltungsort: Die Alberstraße
Alberstraße 23
8010 Graz

Karten: 0699/17162819
office@theater-quadrat.at
16€/12€

DarstellerInnen: Ninja Reichert
Rudi Widerhofer
Alexander Kropsch
Werner Halbedl

Regie: Kropsch/Halbedl
Regieassistenz: Sophie Trogbacher
Technische Betreuung: Peter Spall

Veranstaltungsinformation: Die Veranstaltung findet im Dachboden der Alberstraße 23 statt.
Die vier Stockwerke in den Dachboden können nur zu Fuß erreicht werden.
Warme Kleidung wird empfohlen.
Die Dauer der Veranstaltung beträgt 70 Minuten.